neue-wege


Altenarbeit in Frankfurt am Main

Veröffentlicht am: 18.04.2003

Die unten auszugsweise dokumentierten Eckpunkte einer gemeinwesen- oder stadtteilorientierten Altenarbeit; hat uns Walter Curkovic-Paul zur Verfügung gestellt. Er war Heimleiter des Alten- und Pflegeheimes der Heilandsgemeinde in Bornheim. Über die Auseinandersetzungen der Bürgerinitiative für das Alten- und Pflegeheimes Heilandsgemeinde mit dem Konzern Frankfutter Diakonie-Kliniken hatten wir im Info 22/02 berichtet. Mit den geschäftspolitischen Interessen von Klinik-Großbetrieben und den gesetzlichen Vorgaben (Pflegeversicherung, Fallpauschalen) etc.) hatte sich Curkovic-Paul in einem Beitrag ;Die Würde des Alters ... ein Geschäft (Info 2/003) befasst. Kommunalpolitisch geht es darum, eine öffentlich geführte Diskussion über Anforderungen und Standards einer humanen Pflege zu entwickeln, an der sich nicht nur die Fachleute beteiligen. ola

  • Eckpunkte einer gemeinwesen- oder stadtteilorientierten Altenarbeit:
  • -Eine Vernetzung aller im Stadtteil ansässigen Altenhilfeinstitutionen,
  • -kleine stationäre Pflegeeinrichtungen mit kombinierten mehrgliedrigen Wohn- und Pflegeangeboten, -keine Großpflegeheime mehr bei Neubau und Reduzierung der Bettenzahl bei den großen bestehenden Einrichtungen in einer bestimmten Übergangsfrist,
  • - Fertigkost soll von den Kostenträgern nicht mehr im Pflegesatz berücksichtigt werden, Heime sollen einem strengen Qualitätsnachweis bezüglich der Ernährung ihrer Bewohner unterliegen
  • - Öffnung der Heime in den Stadtteilen zu sozio-kulturellen Zentren, Begegnungsorte für die verschiedenen Interessen- und Generationengruppen,
  • -Pflege soll in der Wahrnehmung in den Hintergrund treten, Leben und Wohnen, Lebensqualität, soll im Mittelpunkt dieses Paradigmenwechsels stehen wie z.B.:
  • -Flohmärkte aus Haushaltsauflösungen der BewohnerInnen,
  • -Angehörigenarbeit und ehemalige Angehörige für bürgerschaftliches Engagement in der Einrichtung gewinnen,
  • -Erzählcafe's auch für die Öffentlichkeit des Stadtteils,
  • -ortsansässige (ausländische) Restaurants gewinnen, in der Einrichtung hin und wieder „kulinarische Abende“ zu gestalten,
  • -Kunst- und Kulturarbeit,
  • -besondere Konditionen von Geschäften und Leistungsanbietern (Friseur, Fußpflege, Sportvereine, Schwimmbäder, Restaurants, Theater usw. für pflegebedürftige Menschen,
  • -die eigenen Gemeinschaftsräume auch anderen ortsansässigen Gruppen zur Verfügung stellen,
  • -prominente Persönlichkeiten aus Politik, Medizin, Unterhaltung, Medien, Kunst und Sport mit einbeziehen und Matineen mit und über sie veranstalten,
  • -Ausübung und Bedürfnisse nach Sexualität müssen möglich sein, dieses Thema muß völlig enttabuisiert werden und Räume müssen geschaffen werden um Sexualität in Heimen und zu hause ungestört vom Zugriff der Betreuungs- und Pflegedienste möglich zu machen. Kontakte zu professionellen Prostituiertengruppen und Organisationen müßten aufgebaut werden,
  • -Altenarbeit soll aktiv den Kontakt zu Vereinen, Verbänden, Kirchen und Institutionen im Stadtteil gestalten,
  • -Krankenhäuser und Geriatrische Einrichtungen des Stadtteils sollen mit den Altenhilfeeinrichtungen kooperieren und ihr medizinisches „Know-how“ zur Verfügung stellen können,
  • -die MitarbeiterInnen sollen verstärkt aus dem Stadtteil gewonnen werden, höhere Motivation und Einsatzbereitschaft,
  • -enge Zusammenarbeit mit den Hausärzten des Stadtteils (sie nehmen eine Schlüsselrolle ein, da sie ihre Patienten über viele Jahre kennen und medizinisch begleiten),
  • nein aufzubauendes Geflecht von Sozialsponsering durch die ortsansässigen Firmen und Geschäftsleute, die hier vor allem im Freizeit und Betreuungssektor Geldquellen erschließen könnten und mittelfristig die Stadt bei ihrem Soforthilfeengagement entlasten könnte,
  • -von übergeordnet großer Bedeutung im Stadtteil sind die Kirchen, Gemeinden und Glaubenszentren. Sie haben oft für die Sterbephase eines Menschen eine qualitative Bedeutung und sind eine Frage der Menschenwürde,
  • -Nachbarschaftshilfe läßt sich durch das oftmals enge Beziehungsgeflecht im Stadtteil am besten organisieren,
  • -bürgerschaftliches Engagement von der stundenweisen Betreuung bis zur Sterbebegleitung lassen sich im überschaubaren Stadtteil organisieren,
  • -Gewaltprävention gegen Gewalt gegenüber alten Menschen ist auch im Stadtteil organisierbar, damit zusammenhängend eine enge Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Polizeidienststellen,
  • -damit zusammenhängend eine Gefahrenprävention durch die Polizei bei oft aus der Wohnung oder der Pflegeeinrichtung umherirrenden dementen alten Menschen,
  • -Zusammenarbeit mit Jugendeinrichtungen des Stadtteils zur Förderung intergenerativer Kontakte,
  • -Alterserholung und Urlaube organisieren und Sponsoren hierfür finden,
  • -den öffentlichen Nahverkehr auf die Bedürfnisse von pflegebedürftigen alten Menschen einrichten.

Walter Curkovic-Paul

Kostenlose Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!